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Leben am Strom

Durch den Bau des Polders sind in der Verbandsgemeinde Jockgrim die Ortsgemeinden Jockgrim, Neupotz und Rheinzabern betroffen. In ganz besonderem Maße veränderte sich in Neupotz das Erscheinungsbild, die Nutzungsmöglichkeiten sowie das Landschaftsbild. Aus diesem Grund hatte sich der Ort mit der Bürgerinitiative „Kein Polder Neupotz“ anfänglich offensiv gegen den Polder gewehrt. So wurde Neupotz zur Modellgemeinde „Leben am Strom“ des Landes Rheinland-Pfalz.  

Der Polder ist eine Kombination von ungesteuerter Deichrückverlegung und gesteuerter Rückhaltung mit einem Ein-/Auslassbauwerk. Den gesamten Standort umgibt ein neuer langer Rheinhauptdeich. Ein sogenannter Trenndeich unterteilt die beiden Rückhaltebereiche. Die Rückhaltung erstreckt sich auf einer Fläche von rund 448 ha. Davon werden künftig 145 ha natürlich vom Rhein überflutet, 303 ha können als gesteuerter Polder zur gezielten Kappung der Hochwasserspitze eingesetzt werden. Zum Zeitpunkt der Einsatzbereitschaft sind rund 70 % der Gesamtfläche intensiv landwirtschaftlich genutzt. Ein Teil der Flächen innerhalb der gesteuerten Hochwasserrückhaltung ist als Vorrangfläche für die Rohstoffgewinnung ausgewiesen. Hier werden seit dem Jahr 2000 Kiese und Sande abgebaut.

Der Einsatz des gesteuerten Hochwasserrückhalteraumes mit einem Retentionsvolumen von 13,85 Mio. m³ erfolgt nach einem international abgestimmten Reglement, wenn am Pegel Worms ein Abfluss 5.300 m³/s überschritten wird. Im statistischen Mittel ist mit fünf Flutungen im Jahrhundert zu rechnen. Zusammen mit der Deichrückverlegung werden dann rund 18 Mio. m³ Rheinwasser vorübergehend zurückgehalten, die mit ablaufendem Hochwasser wieder dem Rhein zufließen.

Im Zuge einer akzeptanzfördernden Maßnahme hat das Land Rheinland-Pfalz ein altes Anwesen im Ortskern erworben. Der Umbau des vorderen Teils des Anwesens wurde vom Land Rheinland- Pfalz finanziert. Der hintere Teil wurde von der Gemeinde mit Mitteln aus der Dorferneuerung finanziert. So entstand das Rheinauen- und Hochwasserschutz-Informationszentrum Haus Leben am Strom.

Leben am Strom - Gschwister Hammer

Zur Einweihung der Hochwasserrückhaltung Wörth/Jockgrim Haus Leben am Strom haben das Geschwisterpaar Inge Hoffmann und Klaus Hammer  das "Polderlied" erstmalig gesungen. Seit frühester Kindheit treten die beiden zusammen auf, mittlerweile als Hoffmann-Hammer-Trio. Der dritte im Bunde ist Erich Hoffmann, der sich in seinen Vorträgen ganz der Pfälzer Mundart verschrieben hat. An dieser Stelle auch einmal herzlichen Dank an Franz Gschwind und Wigand Schneiderheinze für ihre tollen Fotos.

https://youtu.be/ZY862YObxC4

Haus Leben am Strom

Das Hochwasserschutz hat an Aktualität nicht verloren. Im Haus Leben am Strom in Neupotz wird die Entwicklung des Hochwasserschutzes und die unmittelbaren Auswirkungen auf Mensch und Ort eng verzahnt mit der Dorfentwicklung von Neupotz veranschaulicht. Die Ausstellung befasst sich ebenso mit der ökologischen Veränderung der Lebensräume "Aue und Gewässer". Die Besucher durchwandern das Fischerdorf Neupotz, das Korbmacherdorf, das Arbeiterdorf und das moderne Dorf - immer unter dem Aspekt des Hochwasserschutzes. Das Haus Leben am Strom ist in Kooperation mit dem Römerschiff Lusoria Rhenana SchUR-Station des Landes Rheinland-Pfalz (Schulnahe Umweltbildungsstation).

Führungen und Workshops

Heil- Gift- und Genusspflanzen der Rheinauen - Botanische Exkursion:
Wiese und Wald stellen eine natürliche Apotheke dar mit deren Hilfe viele Leiden, seien es Erkältungen, Leibschmerzen oder Frühjahrsmüdigkeit behandelt und gelindert werden.

Führung im Haus Leben am Strom:
Auf Schautafeln, interaktiven Bildschirmen sowie an Hörstationen werden den Teilnehmern lebendige Eindrücke über den Kampf der Menschen gegen das Hochwasser früher und heute vermittelt.

Polderführung:
Fachkundige Führungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad entlang der 2013 bei Neupotz in Betrieb genommenen Hochwasserrückhaltung Wörth/Jockgrim.

Abenteuer Polder, Sprechende Steine oder Leben am Wasser:
In unseren drei Workshops "Abenteuer Polder", "Sprechende Steine" und "Leben am Wasser" lernen Kinder im Alter zwischen 8 und 12 Jahren mit Spaß durch Kreativaufgaben, Naturexperimente und Wasserspiele.

Der Barbarenschatz - geraubt, gerammt, gerettet:
Im Rahmen der Kiesförderung wurde in einem Baggersee bei Neupotz mit über 1000 Objekten der bislang größte römerzeitliche Metallfund gemacht. Bei der erlebnisorientierten Fahrt mit einem originalgetreu rekonstruierten römischen Patrouillenschiff, tauchen wir gemeinsam in diese Zeit ein.  

Wasser-Erlebniswelten - Exkursion zu den Gewässern der Neupotzer Rheinaue:
Sie lernen verschiedene Gewässer kennen und bestimmen unter fachlicher Anleitung die jeweilige Gewässergüte. Das Seminar eignet sich hervorragend für Projekttage.

Rheinauen – ein Hot Spot der Biodiversität:
Das Seminar teilt sich auf in zwei Schwerpunkte zu unterschiedlichen Jahreszeiten: die Ökologie der Rheinauen sowie biologische und chemische Untersuchungen. Es eignet sich hervorragend für Projekttage.