Verbandsgemeinde Jockgrim
Hatzenbühl - Jockgrim - Neupotz - Rheinzabern

Internationaler Frauentag im Ziegeleimuseum bot Unterhaltung und Information unter dem Motto „Recht trifft Handwerk“

Die ausverkaufte Feier der Verbandsgemeinde Jockgrim zum internationalen Frauentag bot den über 130 ausschließlich weiblichen Gästen eine abwechslungsreiche Mischung aus Unterhaltung und Information.
Unter der Regie der Gleichstellungsbeauftragten der Verbandsgemeinde, Jutta Bauer, wurde ein mehrstündiges Programm geboten, das für die Frauen aus allen Altersklassen ab Anfang 20 mit einem Sekt-Empfang startete. Bauer, der ein Helfer-Team aus Kolleginnen und einigen Männern am Ausschank zur Seite stand, begrüßte sehr herzlich die Gäste und gab schnell die Bühne für die erste Referentin des Abends frei. Es war Edith Kuhn, Schneidermeisterin aus Karlsruhe, die Dank ihres großen Engagements in ihrem Beruf bald Innungs-Obermeisterin und sogar Landesvorsitzende der Schneider-Innung in Baden-Württemberg wurde. Die Handwerkerin setzte ihren Vortrag nach einem Blick auf ihre berufliche Laufbahn mit einem Blick auf die Trends bei namhaften Mode-Häusern wie Chanel oder Elie Saab fort. Die gezeigten, durchweg sehr schlanken Modelle brachten manche der Frauen im Publikum, zum Schmunzeln. Schneidermeisterin Kuhn betonte aber mehrmals, dass diese Trends von jedem guten Maßschneider ganz individuell auf die Kundinnen zugeschnitten werden könnten, so dass alle Frauen auch Vollschlanke, modisch, jugendlich und korrekt gekleidet sein könnten.
Jutta Bauer informierte zu der Geschichte des Frauenfußballs, der lange Durststrecken überwinden musste und eigentlich bis heute in seiner Bedeutung hinter dem Männerfußball steht. So wurde das erste Frauen-Fußball-Team bereits 1894 in England gegründet, im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts wurde Frauenfußball immer mehr zurückgedrängt und sogar verboten, auch innerhalb des Deutschen Fußballbundes. Dieses Verbot wurde erste 1970 aufgehoben, seit 1986 gibt es eine Frauen-Bundesliga. Bauer schloss ihren Vortrag mit den internationalen Erfolgen des deutschen Frauen-Fußball-Teams.
Einen bleibenden Eindruck hinterließ die Richterin Mareike Lange. Sie arbeitet am Amtsgericht Landau und betrat zuerst in ihrer schwarzen Richterrobe die Bühne, legte sie aber schnell ab, da sie „ja als Freundin an diesem Abend auftrat“. Auf eine erfrischende, herzliche Weise erzählte sie, warum sie Jura studieren wollte, zeigte dazu auch Porträts ihrer Vorbilder. Als das Studium ins Stolpern geriet, hielt sie sich Anti-Helden vor Augen, die das Jurastudium wieder schmissen, so wie ihnen sollte es ihr nicht gehen. Also beherzigte sie Ratschläge und machte „Lernen, Lernen, Lernen“ zu ihrem Lebensinhalt. Mit Erfolg, denn sie bestand die Examen mit überdurchschnittlichen Noten. Richtig spannend wurde es, als sie einige herausragende Fälle nannte, mit denen sie als Richterin am Familiengericht oder im Zivilrecht bis heute befasst war. Gerade ihr letztes Beispiel, in dem es um ein schwieriges Verhältnis zwischen Vater und Sohn ging, spürte sie, dass ihre Berufswahl richtig war. „Als sich der Junge und sein Vater am Ende des Verfahrens angenähert hatten und Kontakt zueinander aufbauten, merkte ich, dass ich hier die Welt durch meine Arbeit ein kleines bisschen besser machen konnte.“
Zwischen den Vorträgen durften sich die Gäste am Büffet, das Sabine Zaucker und ihr Team kredenzt hatten, ausgiebig durch drei Gänge schlemmen.
Dann war es endlich soweit, und der international bekannte Puppenspieler Stephan Blinn betrat mit seinen wunderschönen Marionetten die Bühne. Durch das Varieté-Programm führte der drollige „Francois Gelatti“, ob er nicht auch etwas Ähnlichkeit mit dem Herrn am Ende der unzähligen Schnüre hatte? Eigentlich war der Auftritt von Blinn, der auch mit den Widrigkeiten einer kleinen Bühne sehr gut zurecht kam, allein ein Abend füllendes Programm. Denn alles, was zu einem richtigen Varieté-Programm gehört, bot auch er auf. Die unvergessene Josephins Baker durfte singen, stilecht erst im Abendkleid und dann im Bast-Röckchen, es gab eine verruchte Zauber-Künstlerin mit frei schwebenden Kopf, einen russischen Tänzer, dessen Leib sich im Eifer des Tanzens von den Beinen löste. Tränen mussten viele lachen, als der stärkste Mann der Welt, Samson, seine hölzernen Brustmuskeln wackeln ließ oder Salvatore Bicycletta auf seinem Kunstrad wie wild über die Bühne wirbelte. Blinn, der die ganze Show über hart arbeiten musste, schaffte eine perfekte Illusion. Er sprach und erweckte seine liebevollen Charaktere durch den geschickten Zug an vielen, vielen Fäden zum Leben, so dass es manchmal fast wirkte, als würde sich auch das Gesicht der kunstvollen Holzpuppen bewegen. Dem kleinen Schlittschuh-Neuling Fritz Flitz hätte manche der Zuschauerinnen am liebsten geholfen, besser über die Bühne zu schlittern. Blinns Puppenspielkunst war einfach begeisternd.

Jutta Bauer bedankte sich bei allen, die geholfen hatten, den Frauenabend möglich zu machen. Dazu gehörte auch das Nähzentrum Schneider aus Rheinzabern, das sich vor Ort präsentierte. Es waren die Sparkasse und die VR-Bank, die die Veranstaltung finanziell unterstützten, Bürgermeister Uwe Schwind und die vier Ortsbürgermeister aus Hatzenbühl, Jockgrim, Neupotz und Rheinzabern trugen den Abend mit. Und natürlich ihre Kolleginnen, die den Saal frühlingshaft schmückten und abends mithalfen, wo immer es nötig war.