Verbandsgemeinde Jockgrim
Hatzenbühl - Jockgrim - Neupotz - Rheinzabern
Foto: Martina Jochem

Jahresabschlußübung der Feuerwehren der Verbandsgemeinde Jockgrim

Am vergangenen Freitag fand die alljährliche Jahreshauptübung der Feuerwehren der Verbandsgemeinde Jockgrim in Neupotz statt. Das Übungsszenario der Jahreshauptübung sah einen Brand bei der Tankstelle Burger vor. Ein Brand im Bereich einer Tankstelle gehört zu den größten und riskantesten Herausforderungen, denen sich eine Feuerwehr im Ernstfall stellen muss. Aus diesem Grund ist es dringend erforderlich, dass die Einsatzkräfte der Feuerwehren in Übungen auf derartige Szenarien vorbereitet werden.
Jochen Gehrlein (Wehrführer der Neupotzer Feuerwehr) und sein Kamerad August Trapp hatten sich ein durchaus realistisches Übungsszenario, das von Hans Jürgen Lugscheider moderiert wurde, ausgedacht. Beim Betanken eines Kanisters hatte dieser Feuer gefangen. Das Feuer griff über auf den Kleinlagerbereich der Tankstelle. Eine schnelle Evakuierung der umliegenden Häuser wurde notwendig, da eine Ausbreitung des Feuers auf die Großtanks, in denen zum Übungszeitpunkt 30.000 l Kraftstoff lagerten, drohte. Die vier Feuerwehren der Verbandsgemeinde Jockgrim sahen sich mit folgenden Aufgaben konfrontiert: Rettung von 6 Menschen unter Pressluftatmung, Aufbau der Wasserversorgung, Straßensperrung, Aufbau einer Wasserwand zur Hauptstraße, Abdichten der Kanalschächte und Straßeneinläufe vor der Tankstelle sowie die Gefahrenbeseitigung aus dem Lager der Tankstelle unter Pressluftatmung. Im Rahmen der Löscharbeiten brachte die Feuerwehr einen Schaumteppich auf, um zu verhindern, dass ausgelaufenes Benzin Feuer fängt. Die geschlossene Schaumschicht bestand aus speziellem Übungsschaum, der im Gegensatz zum Original deutlich leichter zu beseitigen ist. Eine weitere Schwierigkeit für die Feuerwehr bestand in der Bergung eines Autos, das in der Werkstatt der Tankstelle auf der Untersuchungsgrube stand. Ein Kunde wollte sein Auto, in dem sich eine junge Frau befand, in Sicherheit bringen. Dabei rutschte es mit einem Reifen in die Grube. Die Feuerwehrleute sicherten das Fahrzeug, in dem sie es mit Holzklötzen unterbauten und trennten anschließend das Dach ab. So konnte die Insassin gerettet werden. Unterstützt wurde die Feuerwehr unter Leitung von Karl Friedrich Schmidt von Einsatzkräften des Deutschen Roten Kreuz, die die insgesamt sechs Geretteten versorgten.

Positive Bilanz für die Übung

Bei der anschließenden Manöverkritik zeigte sich Wehrleiter Stephan Reis sehr zufrieden mit dem Ablauf der Übung. Drei Gründe nannte er für die erfolgreiche Zusammenarbeit der Feuerwehr: Eine gut ausgebildete Mannschaft, eine technisch moderne Ausrüstung und eine Verwaltung, die die Ausrüstung zur Verfügung stellt. Ortsbürgermeister Roland Bellaire sah am Ablauf der Übung eine Bestätigung für die gute Zusammenarbeit der Feuerwehr. Er hofft trotzdem, dass der Ernstfall bei der Tankstelle nie eintreten wird. Nach Ansicht des Vorsitzenden des Regionalfeuerwehrverbandes Vorderpfalz, Hans-Georg Balthasar, hätten die Feuerwehrübungen neben dem Trainingszweck noch eine weitere wichtige Funktion. Die Bevölkerung bekäme hierdurch einen umfassenden Eindruck von der Leistungsfähigkeit der Feuerwehr. Bürgermeister Uwe Schwind ist stolz auf die vier Feuerwehren in der Verbandsgemeinde, die allesamt eine eigene, individuelle Identität hätten. Wenn es aber darauf ankäme, würden sie zu einem eingeschweißten Team, das Hand in Hand arbeite, zusammenwachsen. Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit könne schlussendlich Leben retten und Schaden abwenden.

Projekt Mobile Retter - Eine App, die Leben rettet

In einem kurzen Vortrag stellte Dr. Matthias Wölfel, Sprecher der Leitenden Notärzte Kreis Germersheim, die neue App „Mobile Retter“ vor. Hiermit werden speziell geschulte Ersthelfer, die sich in unmittelbarer Nähe eines Notfalls befinden – zum Beispiel in der Nachbarschaft oder ein paar Straßen weiter im selben Ort – von der
Leitstelle per GPS geortet und durch die Mobile-Retter-App mit einem lauten Alarmton auf dem Smartphone informiert. So kann die Zeit bis zur Ersten Hilfe deutlich verkürzt werden, denn Notarztwagen und First Responder sind zwar sehr schnell, brauchen aber im Durchschnitt bis zu neun Minuten von der Alarmierung bis zum Eintreffen am Einsatzort. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand aber zählt jede Sekunde. Je schneller Hilfemaßnahmen erfolgen, umso größer ist die Überlebenschance für die Betroffenen. Das Vorzeigeprojekt wurde vom Verein „Mobile Retter e. V.“ in Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung Gütersloh (NRW) vor mehr als drei Jahren entwickelt und wird mittlerweile dort seit zwei Jahren erfolgreich eingesetzt. Das Projekt war Bundessieger im Innovationswettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“. Nach den Worten von Dr. Matthias Wölfel, der das Projekt „Mobile Retter“ im Landkreis Germersheim leitet, soll die Zahl der Ersthelfer weiter ausgeweitet werden, um so eine flächendeckende Verteilung zu gewährleisten.

Weitere Informationen zum Projekt „Mobile Retter“ im Landkreis Germersheim:

Dr. med. Matthias Wölfel, Asklepios Südpfalzklinik Kandel, Luitpoldstraße 14, 76870 Kandel, Tel.: 07275/71-0, E-Mail: m.woelfelasklepioscom

Mathias Deubig, Kreisverwaltung Germersheim, 17er-Straße 1, 76726 Germersheim, Tel. 07274/53-343, E-Mail: m.deubigkreis-germersheimde.