Verbandsgemeinde Jockgrim
Hatzenbühl - Jockgrim - Neupotz - Rheinzabern

Beim Rosenmontagstreff regiert das Narrenvolk in der Verbandsgemeindeverwaltung

Wieder einmal war am Rosenmontag der Ratssaal der Treffpunkt für die Narren der Verbandsgemeinde Jockgrim. Bürgermeister Karl Dieter Wünstel hatte zur 13.-ten gemeinsamen Feier der fünften Jahreszeit eingeladen. Im mit Luftballonen und Girlanden närrisch geschmückten Saal konnte er die Vertreter und Abordnungen aus den einzelnen Ortsgemeinden begrüßen – der Saal war voll.
Es ist zwischenzeitlich schon Tradition, dass jede Ortsgemeinde mit einer Rede antritt und dabei fast ein Wettstreit unter den Büttenrednern entsteht. Unterstützt werden die Redner mit den jeweiligen Schlachtrufen "Jockgrim – Helau", "Rhe-Na", "Hatze-Beehl" sowie dem universellen "Helau" aus Neupotz.

Mit zwei Tanzeinlagen eröffneten die kleinsten Tänzerinnen des Rheinzaberner Hofstaates den Rosenmontagstreff. Die "Rheinzaberner Springerle" als Piraten und die "Elfen" als Herzdamen tanzten sich unter der Regie von Rezzan Eßwein direkt in die Herzen der Zuschauer. 

Als erster Redner stieg Hausherr und Bürgermeister Karl Dieter Wünstel in die "Bütt. "Ich begrieß Eich jetz erscht 'mol Ehr närrische Leit, in dere wilde Fas'nachtszeit". Danach ging er auf die Sitzungen in den Ortsgemeinden ein.

So war der Büttenabend in Jockgrim "ganz groußie Klasse! Häbb' Spass g'hatt, häbb' gschunkelt, gedobt mit de' Masse"

Allerdings gab es wohl auch gefährliche Momente: "Bei de Turner dann schier vergesse se schnaufe, Ehr Jockgemmer Fas'nachter, ehr sinn en saugude Haufe!"

"Die Rheinzammer Prunksitzung war voll' Spass awwer ähh bissl Trauer – gut g'redd" hott err dezu, de Christian Lauer."

Nicht zu vergessen sei auch das interkommunale Prinzenpaar: "Enn stolze Prinz, unn die Prinzessin, souuuu schäi… Eh subber Prinzepaar, 's beschde in de ganze VG."

In Neupotz gab es wohl was zu lernen: "Enn schicke Neinerrat hänn die, jedzd mit neie Hosse unn Hemd, unn ich häbb' g'lernt, wie mer enn Prinz in d' stabil Seidelaach stemmd.

Ein tolles Programm, die Dänzer uff Zack,
unn dann, dann kam er, de Parre emm Frack!"

Ein kleiner Wermutstropfen sei für ihn, dass es in seiner Heimatgemeinde keine Faschingsveranstaltung mehr gebe: "Meer werrens erläwe orrer äch nidd, sie misst wirrer her, die Hatzebeehler Bitt."

Sein närrischer Dank an die Narren zum Abschluss: "Ehr Narre, ich sach's eich als eiern Burchemeeschder voll Stolz: Ehr sinn aus emm' ganz b'sunnre – emm' luschdiche "Feier"-Holz."

Zwischendurch erschallten immer wieder voll Freude die "Schlachtrufe" der einzelnen Ortsgemeinden mit jeweils dreifach donnerndem "Rhe-Na!" oder "Jockgrim Helau". Die Neupotzer, die sich jedes Jahr ein neues Motto ausdenken, riefen diesmal nicht nur "Helau", sondern auch: "drei mol näi – s' war immer schäi!". Die Hatzenbühler Narren haben zwar ihr "Hatze-beehl, Hatze-beehl, Hatze-beehl". Leider waren die meisten Hatzenbühler Narren verhindert - umso mehr wurden die anwesenden 4 Narren bei Ihrem "Schlachtruf" gerne von den anderen Ortsgemeinden unterstützt.

André Westfeld, Sitzungspräsident der Jockgrimer Fasenacht, nahm ein kritisches und ernstes Thema mit in die Bütt. Er wehrte sich gegen das im Internet verbreitete Image zum Fasching "Saufen und Exzesse". Er frage sich: "Lässt sich unsere "Fasenacht" wirklich nur noch darauf reduzieren?" Er habe dies zum Anlass genommen und einmal bewusst hinter die Kulissen des Faschings von Jockgrim und der anderen Gemeinde geschaut. "Natürlich wird das ein oder andere Bier getrunken, und wir lassen es beim Feiern auch ordentlich krachen" so Westfeld. Jedoch allein in Jockgrim engagieren sich für den Fasching über 300 Aktive aus verschiedensten Vereinen und Gruppen. Es werden Auftritte einstudiert, Kostüme genäht und an Wägen für den Umzug gewerkelt. Es gibt 3 Büttenabende mit ca. 1200 Gästen. Der Fasching in Jockgrim hat mit dem Schmutzigen Donnerstag und Rosenmontag zwei Tanzveranstaltungen im Ort, gute Alternativen zu den sonstigen anonymen Großveranstaltungen. Dies alles wird organisiert von richtigen Fasenachtern für echten Fasching. Es gibt in Jockgrim einen Kinderfasching, ein paar Elferräte und die Ballettmädels nehmen sich Zeit, die Kindergärten im Ort zu besuchen. Auch gab es diesjährig erstmalig einen Besuch beim Seniorennachmittag. Dieser Einsatz im Ehrenamt sei für ihn auch ein Stück Lebensqualität und gelebte Tradition und könne nicht einfach nur auf Alkoholkonsum heruntergebrochen werden. Für ihn bedeute Fasching die Verbindung über die eigenen Ortsgrenzen hinweg neue Freundschaften zu schließen, in dieser Gemeinschaft zu leben und füreinander einzustehen, in guten wie auch in schlechten Zeiten, man erfindet sich immer wieder neu und treibe diese Tradition voran.
Hierzu werde er für Jockgrim auf Instagram ein Hashtag unter #saubereFasenacht einstellen. Als Aufruf zum echten Fasenachter, gegen Komasaufen, Gewalt und sexuelle Übergriffe. Er lade jeden echten Fasenachter, der das genauso sieht, ein, ebenfalls ein Foto mit dem #saubereFasenacht zu posten.
Wir sollten gemeinsam Flagge zeigen, dass Fasching viel mehr ist!

Für Neupotz kam Betty Burk in die Bütt. Neupotz feiert dieses Jahr verspätet sein närrisches Jubiläum "drei mal neun". Aus diesem Grund beschloss der Neunerrat ausgewählte ältere Beiträge aus den vergangenen Jahren auf dem bunten Abend zu präsentieren. Damit wurden die Vorträge und Aufführungen quasi erfolgreich "aufgewärmt". Deshalb präsentierte sie auch ihre Büttenrede aus dem Jahr 2008. In dieser erklärte sie die Feinheiten der "Neupotzer Ursprache", anhand praktischer Beispiele aus dem Neupotzer Alltagsleben. So bringen die Wörter, die das "pf" manchmal im Übermaß enthalten, so manchen "Nichteinheimischen" schon mal zum Verzweifeln. Die Worte mit einem gut gerollten "r" brachten ihr viel Beifall und aus der Hatzenbühler Fraktion ein Hatze-beehl, Hatze-beehl, Hatze-beehl, da man ein rollendes "r" ja auch gerne den Bewohnern aus Hatzenbühl zuschreibt.
Die Theatergruppe Schischipusch vertrat dieses Jahr die Ortsgemeinde Hatzenbühl. Mit ihrem amüsanten Beitrag gaben sie durchaus auch ernst gemeinte Einblicke in das Rentnerleben - mit dessen Höhen und Tiefen in allen Lebenslagen.
Christian Lauer, Hofmarschall vom Hofe zu Rhe-Na, stellte den guten Zusammenhalt unter den verschiedenen Faschingsvereinen der VG in den Vordergrund. Man fühle sich immer unter Freunden. Für den Sitzungspräsidenten von Jockgrim überbrachte er eine laute "Bimmel" für dessen zukünftigen Sitzungen. Für die Verbandsgemeinde Jockgrim wünsche er sich eine Faschingsbeauftragte. Kurzerhand schlug er Franziska Sitter aus Jockgrim vor, welche sich dieses Jahr besonders für die gemeinsamen Belange der Faschingstruppen von Jockgrim und Rheinzabern eingesetzt habe. Stolz sei er auch auf das Prinzenpaar aus Rheinzabern, welches für ihn als Prinzenpaar die gesamte Verbandsgemeinde Jockgrim präsentiere.
Das Prinzenpaar Lisa I und Philipp I aus Rheinzabern wurde von Ehrenhofmarschall Raymund Broßardt vorgestellt. Ganz nach der Hofetikette von Rhe-Na begrüßte er ihre Lieblichkeit Prinzessin Lisa I aus dem Hause M & M Marz und der Janus Gass und Prinz Philipp I aus dem Hause Müller, am Stadtgraben. Auch Broßardt verwies als letzter Redner in der Bütt darauf, dass sich Brauchtum und Narretei wunderbar verbinden ließen.

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