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„Viele unterschätzen einfach die Gefahr.“ –
Der Aktionstag „Bahnschulung“ an der IGS Rheinzabern klärt auf

Laut Bundespolizei passieren tragische Stromunfälle auf Güterzügen fast monatlich - zuletzt in Kehl, Aschaffenburg, Guntersblum und München. Fast immer sind es junge Menschen, die auf die abgestellten Güterzüge klettern und einen Stromschlag bekommen. Dabei reicht es schon aus, nur in unmittelbarer Nähe der 15.000 Volt-Leitung zu sein. Der Strom springt dann in einem sogenannten Spannungsbogen (oder auch Lichtbogen) einfach über. Manche überleben einen solchen Unfall schwer verletzt, viele sterben.

Der Unfall am Bahnhof Wörth im Mai 2025 ist vielen Menschen in der Region sicherlich noch in Erinnerung. Damals waren zwei 16-Jährige auf einen Kesselwagen geklettert. Beide erlitten dabei einen Stromschlag. Einer verstarb später im Krankenhaus, der andere ist fürs Leben gezeichnet.

Um ein Bewusstsein für die Gefahren an und um den Bahnverkehr zu schaffen, hat die Deutsche Bahn eine „Bahnschulung“ ins Leben gerufen. Simon Berg, Lehrer für Chemie und Biologie an der IGS Rheinzabern, organisierte dazu einen Aktionstag am vergangenen Montag und Dienstag, den 24. und 25. August und lud Uwe Krämer, Lokomotivbetriebsinspektor und Fachreferent für Prävention bei der Deutschen Bahn, ein, die 5. Klassen über die Gefahren rund um die Bahn aufzuklären. Schwerpunkte dabei waren das Verhalten am Bahnhof, das Verständnis von Warn- und Hinweisschildern und die Gefahren durch Bahnstrom und Züge. Zusammen mit Katharina Hoffmann und Isabelle Herrmann von der Bundespolizei Kaiserslautern kam ein reger Austausch mit den Kindern zustande. In spannenden Fragen und Videos wurde den Schülerinnen und Schülern erklärt, wie schnell ein ICE sein kann (nämlich bis zu 300 km/h) und wieviel Meter er in der Sekunde zurücklegt (45 m). Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 260 km/h beträgt der Bremsweg ca. 1 km. Fügt man dieser Rechnung noch hinzu, dass der Zugführer die Situation, z.B. das unerlaubte Überqueren der Gleise, direkt wahrnehmen, richtig einschätzen, ggf. hupen und vor allem die Vollbremsung einleiten muss, kann man die Worte von Uwe Krämer, selbst 25 Jahre als Lokführer tätig, nur zu gut nachvollziehen: „Die meisten Menschen unterschätzen die Gefahr von herannahenden Zügen.“

Als es in der Schulung um die Stromunfälle auf Güterzügen und um den Unfall am Bahnhof Wörth geht, erklärt Bürgermeister Karl Dieter Wünstel eindringlich: „Die Jungs waren im Alter meines jüngsten Sohnes. Sie haben sich wahrscheinlich überhaupt nichts dabei gedacht als sie auf diesen Waggon hoch wollten. Aber: Die Oberleitungen der Bahn führen 15.000 Volt! Das ist über 65 Mal mehr als Spannung einer Steckdose zu Hause. Es ist sehr tragisch, was da passiert ist, weil es nicht hätte passieren müssen. Deshalb sind wir sehr dankbar, dass sich die Kolleginnen und Kollegen der Deutschen Bahn sowie Bundespolizei so viel Mühe machen und in diesen Schulungen über die Gefahren aufklären.“ 

Zum Schluss zeigt Wünstel den Kindern noch einen weiteren Grund, den Verstand einzuschalten und sich an die Regeln zu halten: „Wir hier sind alle Eltern, und keiner von uns oder euren Eltern möchte den Anruf bekommen, dass das Kind nicht mehr gesund nach Hause kommt. Glaubt bitte niemanden, der meint, gefährliche Sachen seien cool. Ihr müsst nicht mutig sein oder Mutproben machen, um beliebt zu sein. Vor allem dann nicht, wenn ihr dabei euer Leben aufs Spiel setzt.“